Auf dem Bambuszug in Battambang

Kambodscha , Länder Mrz 21, 2017 No Comments
Bambuszug in Battambang

Obwohl Battambang die zweitgrößte Stadt des Landes ist, handelt es sich gefühlt eher um eine beschauliche Kleinstadt. Die Gründung geht auf die Legende des “verschwundenen Stockes” zurück – “Bat” (verschwinden) und “Dambang” (Stock). Für Interessierte folgt hier eine kurze Zusammenfassung der Legende:

Einst soll ein Kuhhirte namens Ta Dambang einen magischen schwarzen Stab besessen haben, mit welchem er den amtierenden König absetzte und sich selbst zum Oberhaupt ernannte. In einem Traum wurde ihm jedoch prophezeit, dass der zukünftige König schon gezeugt wurde. Daraufhin ließ er alle schwangeren Frauen verbrennen. Ein Kind wurde jedoch noch auf dem Scheiterhaufen geboren und konnte trotz schwerer Verbrennungen gerettet werden. Dieses hieß Prohmkel und wurde in einem Kloster aufgezogen, konnte aber aufgrund der Verletzungen nicht Laufen. Schließlich ereilte Ta Dambang ein weiterer Traum. Demzufolge sollte sieben Tage später ein Prinz auf einem fliegenden weißen Pferd die Macht übernehmen. Das Volk, welches die Traumdeutung vernahm strömte in freudiger Erwartung auf den Prinzen in die Stadt. Auch Prohmkel machte sich kriechend auf den Weg. Unterwegs bat ihn Jemand auf sein weißes Pferd aufzupassen. Dann passierte das Unmögliche. Prohmkel konnte wieder Gehen und flog mit dem weißen Pferd zum Königssitz. Der König Ta Dambang erkannte die Prophezeihung und warf wütend seinen schwarzen Stock zu Boden und trat ab. Der neue Prinz errichtete hier sein Königreich und nannte es Bat Dambang.

Statue von Ta Dambang mit dem schwarzen Stab Statue von Ta Dambang mit dem schwarzen Stab

Am Ortseingang von Battambang steht eine große Statue von Ta Datambang mit dem schwarzen Stab. Hierher kommen täglich viele Einheimische um für die Erfüllung ihrer Wünsche zu beten. Dabei werden auch allerlei Opfergaben gebracht, so opferten manche gleich ein ganzes Spanferkel. Matthias lief schon das Wasser im Mund zusammen. Ein Einheimischer erklärte uns, dass die Lebensmittel nicht verkommen, sondern später wieder mit nach Hause genommen werden.

 

Stadtrundgang durch Battambang

Im Internet stießen wir darauf, dass es auch in Battambang eine “free walking tour” gäbe und wir ließen es auf einen Versuch ankommen. In einer Fahrradwerkstatt, auf einem verschlagenen Hinterhof empfing uns ein etwas spezieller junger Mann. Mit ihm liefen wir ca. eine Stunde durch die Stadt. Um ehrlich zu sein, haben wir nicht wirklich viel über die Sehenswürdigkeiten erfahren. Dafür aber umso mehr über seine Einstellungen. Und gleich mal vorneweg, der Begriff “free” steht hier nicht für umsonst, sondern für “freedom”. Was auch immer dies bedeuten soll? Er berichtete uns auch, dass er mal sechs Ehefrauen aus Deutschland haben möchte. Für jeden Wochentag eine, nur am Sonntag braucht er mal Pause und die deutschen Frauen seien einfach die hübschesten. Außerdem sei der “HUMMER” sein Lieblingsauto, indem er auch mal beerdigt werden möchte. Soviel, also zu unserem Guide der free walking tour.

Ansonsten ist Battambang wirklich beschaulich und bisher zieht es erst wenige Touristen in diese Gegend. Wir besuchten einige schöne Tempel und den Gouverneurspalast, schlenderten entlang des Flussufers und probierten die ein oder andere kulinarische Spezialität. Für den nächsten Tag liehen wir uns mal wieder einen Motoroller aus und erkundeten die Umgebung.

 

Wat Ek Phnom

Diese Ruinen eines hinduistischen Tempels befinden sich ca. 12 km nördlich von Battambang. Sie stammen wahrscheinlich aus dem Jahr 1027 und wurden aus Laterit und Sandstein errichtet. Obwohl es wieder brütend heiß war, genossen wir die friedliche Atmosphäre in dieser Anlage und bekamen schon mal Vorfreude auf die Tempel von Angkor. Davor befindet sich eine neue bunte und mit zahlreichen Ornamneten verzierte Pagode. Und schon von Weitem sieht man eine große sitzende Buddhafigur.

 

Wat Samrong Knong

Wat Samrong Knong Wat Samrong Knong

Als nächstes hielten wir an der Holzpagode Samrong-Knong. Diese Pagode blieb zwar von der Zerstörungswut der Roten Khmer verschont, diente aber in dieser Zeit als Gefängnis. Eine Gedenkstupa hinter dem Tempel erinnert an die 10.000 Opfer der Region, welche in der Schreckensherschaft unter Pol Pot brutal ermordet wurden. In einem Relief werden diese Gräueltaten anschaulich dargestellt.

 

Fahrt mit dem Bambuszug

Eine Fahrt mit dem Bambuszug zählt für viele zur Hauptattraktion von Battambang. Ursprünglich nutzte man die “bamboo trains” oder auch liebevoll “norrys” genannt um Güter und Menschen zu den abgelegnen Gegenden zu transportieren. Dafür waren die maroden Schienen aus der Kolonialzeit prima geeignet. Auf alten Panzerrädern wurde eine Bambusplatte befestigt und das Gefährt mit Motoren aus Generatoren oder Booten betrieben.

Um ehrlich zu sein, werden jetzt nur noch Touristen hier transportiert. Kommen sich zwei norrys auf dem einspurigen Gleis entgegen, gibt es klare Vorfahrtsregeln. Es wird kurzerhand das Gefährt abgebaut, welches leichter ist bzw. die wenigsten Passagiere befördert. Wie ihr seht, hatten wir meist keine Chance und zogen den Kürzeren.

Die Fahrt war wirklich abenteuerlich, man wurde ganz schön durchgeschüttelt und wir waren streckenweise sogar richtig schnell unterwegs. Seit Jahren wird das Ende der Bambusbahn prophezeit. Doch mittlerweile werden die Fahrten durch die Tourismuspolizei betreut und bei einem Fahrpreis von 5 USD pro Person ist dies eine ziemlich lukrative Einnahmequelle.

 

Phnom Sampeau

Den Abschluss unserer Tour bildete der Bootsberg. Auf dem Berg befinden sich einige Pagoden, Buddhafiguren und Aussichtsplattformen. Auch diese Pagoden wurden in der Zeit der Roten Khmer, als Verhör- und Gefängnisräume genutzt und mussten schwarz angestrichen werden.

Die eigentliche Attraktion des Berges ist jedoch der allabendliche Fledermausausflug, wo nach Sonnenuntergang 2-3 Mio Fledermäuse die Höhle im Berg verlassen und hinaus schwärmen.

Wir haben dieses Spektakel leider nur nebenbei mitbekommen. Denn als wir zu unserem Motoroller zurückkehrten, sahen wir das dort eine gelbliche Flüssigkeit auslief. Schnell wurde klar, das dies Benzin war. Na toll, dachten wir uns, was sollen wir jetzt machen? Wir steuerten zwei Motorradwerkstätten an und fragten viele Einheimische. Diese meinten nur, solange der Motor sich starten lässt, sollen wir schnell nach Battambang zurück fahren und nicht anhalten, dann läuft auch kein Benzin aus. Uns war dies zwar nicht geheuer, aber wir hatten ja keine Wahl und fuhren so im Dunkeln zurück nach Battambang.

Tabea

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