Ankunft in Tadjikistan

Länder , Tadjikistan Dez 16, 2016 No Comments
Marktplatz in Khujund

Tadjikistan ist das kleinste Land Zentralasiens und 70% der Fläche besteht aus Hochgebirge. Die imposanten Gebirgszüge mit Gipfeln über 7000m Höhe haben auch uns begeistert. Doch bevor es ins Pamirgebirge ging, verbrachten wir die ersten Tage in den zwei größten Städten des Landes Khujund und Duschanbe.

 

Khujund

Khujund oder auch Chudschand genannt ist die zweitgrößte Stadt Tadjikistans. Man kann nicht sagen, dass die Stadt besonders schön ist oder viel an Sehenswürdigkeiten zu bieten hat. Trotzdem genossen wir zwei erlebnisreiche Tage hier. Dies verdankten wir unseren zwei tadjikischen Gastgebern. Khan und sein Kumpel waren wirklich total lustig und wir hatten viel Spaß zusammen. Er selber sprach sogar ganz gut Deutsch, weil er Mal für drei Monate in Deutschland gearbeitet hatte. Da die leerstehende Wohnung seines Freundes bitterkalt und nicht wirklich komfortabel war, verbrachten wir die meiste Zeit draußen.

Wir mit unserem Gastgeber Khan vor einem Bild von Präsident Rachmon Wir mit unserem Gastgeber Khan vor einem Bild von Präsident Rachmon

Unsere Tour durch die Stadt began mit dem schönen Panshabe Markt auf dessen Vorplatz sich die beeindruckende Masjidi Jami Moschee befindet. Tadjikistan ist nämlich ein überwiegend islamisches Land, aber der etwas anderen Art. Da die Regierung eine Radikalisierung der Jugend fürchtet und bereits einige Tadjiken nach Syrien gegangen sind, begegnet sie ihr mit Zwangsmaßnahmen. So ist der Gebetsruf des Muezzin verboten, genauso wie das Tragen von Bärten. Unser Gastgeber berichtete uns sogar von Razzien in den Moscheen, wo alle Männer mit Bärten mitgenommen wurden und sich einer Zwangsrasur unterziehen mussten.

Richtig interessant war es jedoch das Treiben davor zu beobachten. Auf dem Platz fanden sich viele Marktstände und Kinder drehten in Spielzeugfahrzeugen ihre Runden. Darunter fand sich auch der ein oder andere Panzer, was uns etwas schockierte.

Außerdem besuchten wir zusammen das historische Museum. In Tadjikistan gibt es lustige Eintrittspreise, so zahlen Tadjiken für das Museum 2 TJS (ca. 0,24 EUR), Besucher aus der ehemaligen Sowjetunion 5 TJS (ca. 0,60 EUR) und der Rest (also auch wir) 20 TJS (ca. 2,40 EUR). Unsere zwei Gastgeber wendeten einen Trick an und besorgten für uns die Tickets. Dabei behaupteten sie, dass wir ihre Freunde aus Russland seien und somit mussten wir nur 5 statt 20 TJS bezahlen. In Anbetracht der Tatsache, dass wir in der DDR geboren wurden, war dies ja auch nicht ganz falsch. Danach konnten wir vier uns das Lachen kaum verkneifen und wären fast aufgefallen, da unser Russisch doch einige Schwächen hatte.

Sprachschule in Khujund Sprachschule in Khujund

Am Nachmittag fragten sie uns, ob wir Lust hätten ihre ehemalige Sprachschule (v.a. Englisch-Unterricht) zu besuchen und etwas über unser Heimatland und die Reise zu erzählen. Da trauten wir uns natürlich nicht nein zu sagen und schon standen wir vor einer Klasse mit ca. 30 Schülern. Der Lehrer war wirklich sehr  nett und freute sich sichtlich Gäste aus Deutschland in seinem Unterricht zu haben. Er selbst unterrichtete auch Deutsch und erzählte uns, dass es sein großer Traum ist, einmal Deutschland zu besuchen. Dies war ein wirklich schönes Erlebnis, die Schüler und Lehrer waren total interessiert und wissbegierig und stellten uns viele Fragen.

 

Anzob Tunnel

Fahrt durch einen Tunnel im Hochgebirge Fahrt durch einen Tunnel im Hochgebirge

Die Weiterreise in die Hauptstadt Duschanbe, bereitete uns um Vorfeld viel Kopfzerbrechen. Denn zwischen Khujund und Duschanbe liegt ein riesiges Gebirge. Bis 2006 musste man für diese Strecke noch eine Passstraße über Usbekistan nehmen, welche im Winter jedoch aufgrund von Schneelawinen gänzlich geschlossen wurde. Seit nunmehr 10 Jahren gibt es eine Abkürzung über den Anzob Tunnel. Wenn man den Begriff Anzob Tunnel im Internet eingibt, bekommt man Horrorgeschichten über den angeblich gefährlichsten Tunnel der Welt zu lesen. Auch Freunde von uns, die erst im Juli 2016 dort waren, berichteten von einer gruseligen Fahrt durch den 5 km langen Tunnel. Er sei von Schlaglöchern übersäht, wäre teilweise überflutet, man hat kaum Licht und oft rieseln Gesteinsbrocken von der Decke. Viele Menschen seien in diesem Tunnel schon verstorben, weil sie im Stau eine Kohlenstoffmonoxidvergiftung erlitten. Als wir unseren tadjikischen Freunden von unseren Sorgen erzählten, konnten sie nur Schmunzeln und meinten, das sei alles gar nicht so schlimm. Da es keinen anderen sinnvollen Weg nach Duschanbe gab, mussten wir es also selbst heraus finden.

Diese Strecke legten wir in einem Sammeltaxi zurück. An der Abfahrtsstelle umworben uns gleich mehrere Fahrer mit ihren Fahrzeugen. Dabei konnten wir zwischen einem Toyota Landcruiser, einem Lexus oder einem Mitsubishi Pajero wählen. Die Fahrer waren also gut vorbereitet und wir entschieden uns für das Auto, welches als erstes los fuhr.

Die Fahrt war wirklich entspannt, die Straßen waren frei und die Landschaft einfach beeidruckend. Beinahe hätten wir verpasst, dass wir bereits durch den Anzob Tunnel durchfahren. Was ist passiert? Hier müssen vor ein paar Wochen umfassende Restaurierungsarbeiten stattgefunden haben, denn von Schlaglöchern, Gesteinsbrocken oder Überflutungen war nichts mehr zu sehen – einfach ein langer dunkler Tunnel. Unsere Bedenken waren also ganz umsonst.

 

Duschanbe

Panorama in Duschanbe Panorama in Duschanbe

Duschanbe ist die Hauptstadt des Landes. Aber noch vor 100 Jahren war dies nur ein kleines unbekanntes Dorf. Dort fand montags immer ein Wochenmarkt statt und auf persisch bedeutet “Dushanbe” einfach nur Montag. Als 1924 die “Tadschikische Autonome Sozialistische Sowjetrepublik” ausgerufen wurde, brauchte man natürlich eine Hauptstadt. Und da lag das Dorf Duschanbe ganz praktisch und über Usbekistan auch gut zu erreichen.

Es handelt sich also um eine relativ junge Stadt. Obwohl Tadjikistan eines der ärmsten Länder Zentralasiens ist, machte die “Montagsstadt” einen prunkvollen und wohlhabenden Eindruck. Dies war vorallem im Stadtzentrum zu spüren, wo sich gleich alle Sehenswürdigkeiten befanden. Von dem Rudaki Prospekt sieht man den gleichnamigen Park mit dem Rudaki Monument, als Erinnerung an den berühmten tadjikischen Dichter Rudaki.

Den Eingang schmückt die Somoni Statue. Ismoil Somini war ein großer König der Somoniden-Dynastie und gilt heute als Nationalheld des Landes. Hier sprach uns dann ein 12 jähriges Mädchen an, die total aufgeregt war Touristen zu treffen und ihr Englisch mit uns trainierte. Immer wieder bat sie uns, einfach alles über Deutschland zu erzählen – “Tell me everything about Germany”.

Danach nahm sie uns mit zur Zentralbibliothek, welches das prächtigste Gebäude am Platz ist. Eigentlich wollten wir nur einen kurzen Blick hinein werfen. Da hieß es am Eingang, wir sollen kurz warten und bekommen eine kostenlose Führung. Die junge Dame, welche uns das Gebäude zeigte war am Anfang mega aufgeregt und verfiel ins Stottern, weil es ihre erste Führung war. Das war irgendwie lustig aber auch wirklich herzlich und die Nervosität legte sich schnell.

Zentralbibliothek in Duschanbe Zentralbibliothek in Duschanbe

Es handelt sich dabei um die größte Bibliothek Zentralasiens. Die Führung durch die einzelnen Unterrichts-, Lese- und Computerräume war echt interessant. Außerdem gab es Sprachräume für verschiedene Länder. Wir haben uns natürlich die deutsche Ecke angeschaut. Gegen einen geringen Mitgliedsbeitrag werden hier auch kostenlose Sprachkurse angeboten. Zum Abschluss kamen wir noch in den Genuss der sehr guten Bibliothekskantine. Für umgerechnet gerade mal 3 EUR haben wir uns zu zweit richtig satt gegessen – es gab sogar Kohlrouladen.

Gestärkt ging es weiter zum Palast der Nationen und zum Siegespark, wo 2011 der mit 165m Höhe höchste Flaggenmast der Welt eingeweiht wurde. Dieser Rekord wurde mittlerweile von den Saudis übertroffen.

 

Ansonsten nutzten wir die Zeit in Duschanbe unsere Erkältung auszukurieren, uns für die Weiterreise in den Pamir zu wappnen und haben uns noch mit einem Couchsurfer getroffen, der uns wertvolle Tipps geben konnte.

Tabea

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