Mit Sack und Pack durch den Pamir (3)

Länder , Tadjikistan Dez 24, 2016 No Comments
Yaks im Pamir

Dies ist die Fortsetzung von Mit Sack und Pack durch den Pamir (2) und berichtet über die Fahrt von Hisor über Langar, Bulunkul und Alichur bis nach Murgab und von dort weiter nach Kirgistan.

 

Hisor – Langar – Bulunkul – Alichur

Der Morgen begann wieder mit einem leckeren Frühstück, wo es sogar Grießbrei gab. Zum Waschen und Zähneputzen mussten wir nach draußen gehen. Wie schon erwähnt, gab es in der ganzen Pamirregion kein fließendes Wasser, da alle Rohre zugefroren waren. Unsere Gastfamilie war jedoch so lieb und hat für uns heißes Wasser aufgekocht mit dem wir uns dann Waschen konnten.

Es lag wieder ein langer Fahrtag vor uns. Doch zunächst besichtigten wir die Petroglyphen in Langar. Diese zu finden war gar nicht so einfach. Ein Fußmarsch führte uns durchs Dorf zu einem Friedhof und hier oben versteckten sich irgendwo die Felszeichnungen.

Die originalen Petroglyphen sollen aus der Bronzezeit stammen. Heute vermischen sich diese jedoch mit Zeichnungen aus der Neuzeit. Trotzdem war es eine schöne Wanderung und es machte Spaß zwischen den Gesteinsbrocken die Felszeichnungen zu suchen, bevor die Fahrt im Auto weiter ging.

Die Piste führte uns noch ein paar Kilometer entlang der afghanischen Grenze. Dort sahen wir auch eine Gruppe afghanischer Reiter. An manchen Stellen war der Grenzfluss komplett zugefroren, sodass es ein leichtes Spiel gewesen wäre mal auf die andere Seite zu laufen.

Afgahnische ReiterAfgahnische Reiter

Zugefrorener Grenzfluss Zugefrorener Grenzfluss

Danach führte uns ein Abzweig nach Norden über den Khargush Pass (4344m) in die Hochebene. Die Luft wurde jetzt immer dünner, die Landschaft war noch karger und die Piste war teilweise vereist. Am Grenzposten sagte man uns, dass seit einer Woche kein Fahrzeug mehr hier vorbei kam. Gott sei Dank hatten wir keine Panne, denn bis auf ein paar Yaks trafen wir dort oben niemand an und Funkverbindung gibt es fast im gesamten Pamir nicht.

Nach dem Pass trafen wir wieder auf den eigentlichen Pamir Highway und erfreuten uns trotz Schlaglöcher einer asphaltierten Straße.

Landschaft am Bulunkul SeeLandschaft am Bulunkul See

Hier machten wir noch einen Abstecher zum Bulunkul See. Dieser liegt auf über 4700 m Höhe und der Ort zählt zu den kältesten in ganz Zentralasien. Hier wurden schon Temperaturen von -63 Grad Kälte erreicht. Kaum zu glauben, wie ein Leben dort überhaupt möglich ist.

Zu unserer Unterkunft fuhren wir in das Örtchen Alichur. Aufgrund mangelnder Funkverbindung konnten wir unsere Ankunft nicht vorher ankündigen. Aber die Pamiri sind so gastfreundlich, dass niemand draußen schlafen muss. Immer wenn wir ankamen, war die ganze Familie bemüht, es uns so komfortabel wie möglich zu machen. Sofort wurde der Ofen angeheizt, Tee gekocht und ein Abendessens zubereitet.

 

Alichur – Bash Gumbez – Murgab

Der Hausherr von unserem Homestay besaß eine Yak-Farm und so wollten wir die Chance nutzen diese mächtigen Tiere mal von der Nähe zu betrachten und einen Ausritt auf ihnen zu wagen.

Yak Farm in Bash Gumbez Yak Farm in Bash Gumbez

Die Yaks bilden die Lebensgrundlage für viele Bewohner im Hochgebirge. So gewinnt man von ihnen nicht nur das Fleisch, sondern auch die Milch, das Leder und die Wolle. Außerdem dient der Kot als Brennmaterial. Ein ausgewachsener Yakbulle bringt ein Gewicht von bis zu einer Tonne auf die Waage.

Yaks sind sehr friedvolle Tiere und ein Ausritt auf einen erinnerte eher an einen gemütlichen Spaziergang. Der eigentliche Plan war drei Stunden mit den Yaks ins Hochgebirge zu reiten. Als wir doch in Bash Gumbez ankamen war es bitterkalt, unser Thermometer zeigte -25 Grad und ein eisiger Wind pfiff uns um die Ohren. Mittlerweile trugen wir alle Sachen, die wir im Rucksack hatten. Nach 30 Minuten auf den Yaks waren unsere Beine komplett eingefroren, sodass wir schon eher umkehrten.

Ausritt auf den Yaks

Ausritt auf den Yaks

In dem kleinen Häuschen der Familie wärmten wir uns erstmal bei einer Tasse Tee auf. Die Besitzer hatten auch eine Katze, die aber keine Schnurrhaare mehr hatte. Man erklärte uns, dass man diese abgeschnitten hätte, denn nur so wäre das Essen der Katze halal. Das war seit langem der größte Blödsinn, denn wir gehört hatten.

Weiter ging die Fahrt auf dem Pamir Highway in die Stadt Murgab. Auf der Strecke sahen wir tatsächlich einen Fahrradfahrer. Im Sommer ist der Pamir Highway eine beliebte und herausfordernde Strecke für jeden ambitionierten Radfahrer. Aber im Winter ist es fast schon lebensmüde. Draußen waren mindestens – 20 Grad Kälte und der eisige Wind war unerträglich. Wir waren froh im Auto zu sitzen und wollten nicht mit ihm tauschen.

Mutiger Fahrradfahrer im Winter Mutiger Fahrradfahrer im Winter

Die Stadt Murgab, welche auf 3600 m Höhe liegt und knapp 7000 Einwohner hat, machte einen wirklich trostlosen Eindruck auf uns. Da es erst Nachmittag war, schlenderten wir noch über den Markt. Dieser bestand aus einer Containeransammlung, wo alle möglichen Waren vorallem aus China und Kirgistan angeboten wurden. Hier fanden wir auch einen Fahrer, der morgen weiter nach Osh fuhr und noch zwei Plätze frei hatte, allerdings sollte es schon um 5 Uhr in der Früh los gehen.

Container-Markt in Murgab Container-Markt in Murgab

 

Murgab – Osh (Kirgistan)

Um 5 Uhr morgens verabschiedeten wir uns von unserem Fahrer, der zurück nach Khorog fuhr und stiegen in das bereits am Vortag organisierte Sammeltaxi, welches uns nach Osh bringen sollte.

Hatten wir bisher so viel Glück mit den Straßenverhältnissen, sollte ausgerechnet am Heilig Abend alles anders sein. Diese nervenaufreibende Fahrt haben wir schon mal auf der Seite Grenzübergang Kyzylart (Tadjikistan) – Bordobo (Kirgistan) beschrieben. Hier gibt es noch ein kurzes Video dazu – wir hatten immerhin weiße Weihnacht im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Fahrt durch das Pamirgebirge und den Wakhan Korridor in Tadjikistan zählte zu einem der größten Highlights auf unserer Reise. Diese Gegend ist definitiv einen Besuch wert und auch im Winter machbar. Marco Polo beschrieb die Gegend mit den Worten “Der Pamir ist ein Hauch von Nichts”. Die teilweise öde und karge Gegend ist dennoch unbeschreiblich schön und die Pamiri sind total gastfreundlich.

Tabea

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