In den Städten Chengdu und Kunming

China , Länder Feb 14, 2017 No Comments
Kunming

Chinesischen Städten eilt ein schlechter Ruf voraus – “Zu viele Menschen, zu viele Autos, zu viel Smog!” Würden wir dies leugnen, wäre das gelogen. Denn ja, chinesische Großstädte sind sehr voll, anstrengend und der Himmel manchmal kaum  zu sehen. Neben diesen Tatsachen fiel uns aber auf, dass man in der Stadtplanung oft dieselben Muster entdeckt. So findet man in eigentlich jeder Stadt einen Volkspark und einen künstlich angelegten See.  Auch riesige Einkaufszentren und Hochhäuser prägen das Stadtbild. Die pompösen Shopping malls haben nochmal alles übertroffen, was wir bisher kannten. Sie dienen nicht nur dem Einkauf. Oft befanden sich darin auch Kletterhallen, Kinderschwimmbecken und “Spielhöllen”. Für uns stellte dies eine komplette Reizüberflutung dar.

Das schnelle Bevölkerungswachstum hat eben seinen Preis und der spiegelt sich in der Stadtentwicklung wieder. Zurückblickend fällt es uns schwer, Xining, Chengdu, Kunming, Jiayuguan und wie sie alle heißen, zu unterscheiden. Es fehlt einfach der Charme einer historisch gewachsenen Stadt.

Hier folgt nun unser Report über die Großstädte Chengdu und Kunming.

 

Chengdu

Pandas in Chengdu Pandas finden sich überall in Chengdu

Chengdu ist die Hauptstadt der Provinz Sichua. Diese Region ist für ihr gutes Essen bekannt. Hier leben heute etwa 14 Millionen Menschen und die Stadt bezeichnet sich selber gern als „Panda-Hauptstadt“ der Welt.

 

Anreise per Zug aus Lhasa

Wie schon im Beitrag zu Tibet beschrieben, “flüchteten” wir über den Jahreswechsel nach Lhasa. Von dort dauerte die Zugfahrt ca. 44h. Diese war für uns sehr herausfordernd und hatte relativ wenig mit der “Eisenbahnromatik” zu tun, welche oft von Reiseveranstaltern beworben wird. Denn wir teilten unser 4er Abteil mit drei weiteren Personen. Ein Mann mit seinem Vater und seinem köperlich und geistig behindertem Sohn (ca. 14 Jahre). Die Fahrt verlangte uns einiges ab, da wir aufgrund der hygienischen Umstände und der Geräuschkulisse kaum Schlaf fanden. Aber wir blicken vorallem mit voller Bewunderung auf diese beiden Männer und mit welcher Hingabe und Liebe sie mit ihrem Sohn bzw. Enkel umgingen!

Zug von Lhasa nach Chengdu Zug von Lhasa nach Chengdu

Für Ablenkung sorgte ein Ausflug in den Speisewagen, wo wir uns von Tütensuppen ernährten und den lautstarken Unterhaltungen chinesischer Mitreisender lauschten. Die Rauchverbotsschilder gelten, nach Ansicht der hiesigen Bevölkerung übrigens nur im unmittelbaren Umkreis des Schildes. So scheint das Rauchen auf der Toilette oder im Bereich zwischen den Wagons erlaubt zu sein. Die Fahrt war zweifelslos sehr anstrengend, hat uns aber einige Erfahrungen reicher gemacht.

 

Tanz im Volkspark

Endlich angekommen, genossen wir seit langem das frühlingshafte Wetter. Nach der langen Reise durch die Wüsten Westchinas und die Minusgrade war dies eine wahre Wohltat. Dazu trug auch der eingangs erwähnte Volkspark in Chengdu bei. Hier konnten wir unter grünen Bäumen die Einheimischen beim Tanzen beobachten.

 

Wuhou Tempel

Dieser Tempel wurde im 4. Jahrhundert errichtet und ist dem „Markgrafen für Kriegswesen“ Zhuge Liang gewidmet. Der Hauptkörper des Tempels ist eher einfach gehalten und unterteilt sich in fünf Abschnitte. Im Inneren stehen Lehmskulpturen des Shu-Kaisers und seiner Minister. Alle Gebäude sind sehr gut erhalten und im Park befindet sich ein Lotusteich, der von mehrere Pavillons umgeben ist. Trotz der vielen Besucher war die Stimmung sehr angenehm und ruhig.

 

Das Forschungszentrum für Große Pandas

Chengdu ist untrennbar mit den Großen Pandas verbunden. Denn hier befindet sich das weltweit einzigartige Forschungszentrum zum Erhalt der Art. Es wurde 1987 gegründet und verfügt heute über die größte Population an künstlich gezüchteten Großen Pandas. Das Areal ist riesig und liegt nördlich der Stadt. Im Park gibt es verschiedene Bereiche für ausgewachsene Pandas, für den Roten Panda, eine Krankenstation und der bei Besuchern sehr beliebte Panda-Kindergarten.

In der Panda-Klinik wurde für den Besucher relativ anschaulich präsentiert, an welchen Krankheiten so ein Panda leiden kann. Tabea als Arzt vom Fach löste die digitalen Aufgaben natürlich fehlerfrei :-). Um dem Liebesleben der Pandas auf die Sprünge zu helfen, bekommen sie sogar Viagra und dürfen Pornos schauen.

Bei den Panda-Kindern zeigt ein Video einfach mehr als ein Foto. Deshalb hier ein kurzer Ausschnitt, wieso diese Kleinen im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen.

 

Neben den Großen Pandas gibt es hier auch die kleineren Roten Pandas. Die fanden wir deutlich interessanten, weil sie viel agiler waren und nicht nur bambuskauend da saßen.

Auf den offenen Wegen zwischen den Stationen trafen wir immer wieder auf interessante Tiere und auch der See mit seinen schwarzen Schwänen lud zum Verweilen ein.

Chengdu war für uns eine wirklich erholsame Stadt und wir konnten die Stimmung am Tempel und vorallem die beeindruckenden Pandas genießen. Danach ging es weiter Richtung Süden, bis wir nach mehreren Zwischenstationen die Tigersprungschlucht erreichten (den Beitrag dazu gibt es hier).

 

Kunming

Innenstadt von Kunming Innenstadt von Kunming

Nach unserer Wanderung durch die Tigersprungschlucht sollte Kunming, die Hauptstadt der Provinz Yunnan, unsere letzte Stadtion im Reich der Mitte werden. Sie wird oft als Stadt des Frühlings bezeichnet, da hier ganzjährig frühlingshafte Temperaturen herrschen. Leider hatte ich mir bei der Wanderung einen gefährlichen “Männerschnupfen” eingefangen und so gönnten wir uns die darauffolgenden Tage etwas Ruhe. Wir nutzten die Pause um das Visum für Vietnam zu beantragen und uns auf dieses Land vorzubereiten.

 

 

Beim Bummel durch die Stadt entdeckten wir einige Märkte, wie den schönen Blumenmarkt und den traurigen Tiermarkt. Hier scheint es außerdem hipp zu sein, sich einen einzelnen Goldfisch in einem sauerstoffarmen Wasserglas zu halten.

Und auch in Chengdu gab es wieder einen Park inklusive See, auf dem man mit Booten fahren oder Möwen füttern konnte. Letzteres ist der Grund für eine regelrechte Möwenplage, da viele diese Tiere auch gern aus der Hand füttern. Das Ergebnis waren “vollgeschissene” Boote.

Nach diesen letzten Tagen hieß es Abschied von China nehmen und wir blickten schon voller Vorfreude auf ein neues Kapitel unserer Reise. In Südostasien sollte Vietnam unser erster Ziel sein. Per Zug ging es Richtung Süden bis zum Grenzübergang (den Bericht dazu findest du hier.)

Matthias

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